Module

Dank der Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend innerhalb des Programms „demoktratie leben!“ haben wir die Möglichkeit, im Jahr 2018 unsere Workshops kostenlos anzubieten.

Das Pro­jekt #denk_net be­steht aus fol­gen­den 10 Work­shop­mo­du­len, die in­di­vi­du­ell kom­bi­nier­bar sind:

1. Wahr oder Fake

Das In­ter­net hat die ge­sell­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten von Kom­mu­ni­ka­tion bra­chial ver­än­dert. Nicht mehr nur eta­blier­te In­sti­tu­tio­nen, son­dern je­de*r kann Sen­der sein und po­ten­tiell die gan­ze Welt er­rei­chen. In dem Work­shop ge­hen wir der Fra­ge nach, wel­chen In­hal­ten wir im Netz Glau­ben schen­ken dür­fen und wo­ran wir so­ge­nann­te Fake News er­ken­nen kön­nen. Die Ju­gend­li­chen er­hal­ten Tipps, wie sie Quel­len auf ih­re Se­ri­osi­tät hin über­prü­fen kön­nen und ler­nen Web­sei­ten ken­nen, die be­kann­te Falsch­mel­dun­gen sam­meln. Au­ßer­dem ge­ne­rie­ren sie mit Hil­fe von Web-Tools ei­ge­ne Fake News als ver­meint­lich seriö­se In­hal­te und be­kom­men so ein Ver­ständ­nis da­für, wie ein­fach es ist, ma­ni­pu­lier­te In­hal­te im Netz zu er­stel­len und zu ver­brei­ten.
Ziel die­ses Mo­duls ist es, die Ju­gend­li­chen da­zu an­zu­lei­ten im In­ter­net ge­nau­er hin­zu­schau­en und den Blick für das Unter­schei­den zwi­schen se­riö­sen und ten­den­ziö­sen In­hal­te zu schär­fen.

In­hal­te des Work­shops

• Wie er­ken­ne ich Fakes im In­ter­net?
• Was sind die In­ten­tio­nen hin­ter Fake News (z.B. im Wahl­kampf)?
• Wel­che Tools gibt es, um Fake News zu er­stel­len und um sie zu ent­lar­ven?

2. Hate Speech

Hass im Netz funk­tio­niert nicht los­ge­löst vom ana­lo­gen Le­ben, son­dern er spie­gelt re­ale Macht- und Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­hält­nis­se wi­der. In die­sem Mo­dul ler­nen die Ju­gend­li­chen ver­schie­de­ne Aus­prä­gun­gen von Grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­feind­lich­keit ken­nen und wer­den mit­tels spie­le­ri­scher Me­tho­den für die Funk­tions­wei­se von Kli­schees und Vor­ur­tei­len sen­si­bi­li­siert. Es wird deut­lich, dass men­schen­ver­ach­ten­de Ein­stel­lun­gen auch über den rech­ten Rand der Ge­sell­schaft hi­naus weit ver­brei­tet sind. Die Ju­gend­li­chen re­cher­chie­ren in Klein­grup­pen selbst­stän­dig im Netz und kön­nen das Er­leb­te an­schlie­ßend in der Grup­pe ana­ly­sie­ren und re­flek­tie­ren. Ein zen­tra­ler Be­stand­teil des Mo­duls ist die Vor­stel­lung und das ei­ge­ne Aus­pro­bie­ren mög­li­cher Ge­gen­stra­te­gien im Um­gang mit Hass im Netz (z.B. das Er­stel­len ei­ge­ner Memes und Gifs als ein mög­li­cher Weg der Ge­gen­re­de).

In­hal­te des Work­shops

• Was ist Hate Speech und gegen wen richtet sie sich?
• Wie ver­brei­tet sind men­schen­ver­ach­ten­de Ein­stel­lun­gen in der Ge­sell­schaft?
• Wie erkenne ich Hate Speech und welche Mus­ter stecken da­hin­ter?
• Was kann ich da­ge­gen tun?

3. Phra­sen-Tra­sher

„Deutsch­land wird über­frem­det!“ und „Die da oben ma­chen eh nur, was sie wol­len!“ – mit sol­chen oder ähn­li­chen Pa­ro­len wird so­wohl am Stamm­tisch als auch im Netz Stim­mung ge­macht. Doch wer ver­brei­tet ei­gent­lich sol­che Bot­schaf­ten und wa­rum? Stimmt das, was da be­haup­tet wird? Und wie kann man da­ge­gen ar­gu­men­tie­ren?
Auf Ba­sis ei­ge­ner Er­fah­run­gen set­zen sich die Ju­gend­li­chen mit Cha­rak­te­ris­ti­ka von Pa­ro­len aus­ein­an­der und ana­ly­sie­ren die da­hin­ter ste­cken­den Funk­tions­wei­sen. Sie über­prü­fen gän­gi­ge rech­te Phra­sen und un­ter­su­chen, ob die als Wahr­heit pro­kla­rier­ten Be­haup­tun­gen aus der Luft ge­grif­fen oder be­leg­bar sind. Durch prak­ti­sche Übun­gen ler­nen sie ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten ken­nen, um da­ge­gen zu ar­gu­men­tie­ren.

In­hal­te des Work­shops

• Welche Pa­ro­len sind den Jugend­li­chen schon be­geg­net?
• Ge­gen wen rich­ten sich die­se und was ist die Funk­tions­wei­se?
• Stimmt das wirklich? Fakten­check!
• Ge­gen­hal­ten! Stra­te­gien im Um­gang mit Stamm­tisch­pa­ro­len im Netz

4. Ge­rüc­ht­ekü­che

In Zei­ten glo­ba­ler Ver­net­zung durch das In­ter­net kön­nen Ge­rüch­te und Halb­wahr­hei­ten ra­sant ver­brei­tet, ge­teilt und ge­liked wer­den. Wer sie in die Welt ge­setzt hat, ist da­bei nur sel­ten zu re­kon­stru­ieren. In dem Work­shop ge­hen wir der Fra­ge nach, wie sich Ge­rüch­te in di­gi­ta­len Kom­mu­ni­ka­tions­räu­men ver­brei­ten und wan­deln kön­nen und wel­che po­ten­ziel­len Ge­fah­ren da­mit ein­her­ge­hen. Am Bei­spiel der Ge­mein­de Traun­stein in Bayern wird ver­deut­licht, wel­che Kon­se­quen­zen ein in die Welt ge­setz­tes Ge­rücht ha­ben kann: Ei­ne ver­meint­li­che Ver­ge­wal­ti­gung durch ei­nen Ge­flüch­te­ten (die es nie ge­ge­ben hat) wird en masse in so­zia­len Netz­wer­ken ge­teilt und ver­än­dert das zwi­schen­mensch­li­che Kli­ma in­ner­halb der Be­völ­ke­rung. In ei­nem Rol­len­spiel set­zen sich die Ju­gend­li­chen mit den Pers­pek­ti­ven un­ter­schied­li­cher Pro­ta­go­nist*in­nen aus­ein­an­der.

In­halte des Work­shops

• Wie funk­tio­niert Kom­mu­ni­ka­tion und wo kön­nen Fehl­in­for­ma­tio­nen ent­ste­hen?
• Wie ver­brei­ten sich Ge­rüc­hte?
• Wel­che Kon­se­quen­zen kön­nen sie für die Be­trof­fe­nen ha­ben?

5. Spür­na­sen

Rech­te Grup­pie­run­gen und Ein­zel­per­so­nen nut­zen ge­zielt di­gi­ta­le Me­dien, um ju­gend­li­che On­line­nut­zer*in­nen an­zu­spr­echen und für ihre In­hal­te zu ge­win­nen. Die Ideo­lo­gie wird da­bei oft zu­nächst „co­diert“ und ist für Au­ßen­ste­hen­de auf den ers­ten Blick nicht di­rekt als sol­che zu er­ken­nen.
In dem Work­shop set­zen sich die Teil­neh­mer*in­nen mit den „ver­steck­ten“ rech­ten Sym­bol­wel­ten und Nar­ra­ti­ven aus­ein­an­der und ler­nen die­se zu er­ken­nen und in ih­rer Be­deu­tung rea­lis­tisch ein­zu­schät­zen. Da­ran an­schlie­ßend re­cher­chie­ren sie als „Spür­nasen“ selbst in so­zia­len Netz­wer­ken und un­ter­su­chen die In­ter­net­prä­senz und die Stra­te­gien ver­schie­de­ner Ak­te­ure: Wer be­treibt die Sei­te und was ist die In­ten­tion da­hin­ter? Wer­den Per­so­nen(-grup­pen) auf- oder ab­ge­wer­tet? Wel­che Bil­der, Sym­bo­le und Nar­ra­ti­ve wer­den ver­wen­det?

In­hal­te des Work­shops

• Ge­gen wen rich­tet sich Hass im Netz und wie ver­brei­tet sind men­schen­ver­ach­ten­de Ein­stel­lun­gen in der Ge­sell­schaft?
• Wel­che Ak­teu­re ver­brei­ten men­schen­ver­ach­ten­de In­hal­te?
• Was sind ihre Stra­te­gien und wie kann man sie ent­lar­ven?

6. Ist doch klar?!

In die­sem Mo­dul geht es um die recht­li­chen Grund­la­gen in Be­zug auf Hass im Netz. Volks­ver­het­zung, Be­lei­di­gung, Ver­leum­dung – wo sind die Gren­zen der Mei­nungs­frei­heit und wann wird ein Tat­be­stand straf­recht­lich re­le­vant? Wel­che rech­ten Sym­bo­le sind er­laubt und wel­che ver­bo­ten? Und was än­dert sich durch das Netz­durch­su­chungs­ge­setz, das am 01. Ok­to­ber 2017 in Kraft ge­tre­ten ist?

In­hal­te des Work­shops

• Wo sind die Gren­zen der Mei­nungs­frei­heit (im Netz)?
• Wel­che Ge­set­ze gibt es ge­gen Hate Speech und wie wirk­sam sind sie?
• Wie ist die Hal­tung zen­tra­ler so­zia­ler Netz­wer­ke? Wel­che Richt­li­nien ha­ben sie und wie set­zen sie die­se um?

7. Was heißt hier ei­gent­lich „Lü­gen­pres­se“?

Die Teil­neh­mer*in­nen er­fah­ren, wie se­riö­se Nach­rich­ten ent­ste­hen und be­kom­men ei­nen Ein­blick in den Ab­lauf der jour­na­lis­ti­schen Ar­beit; von der The­men­fin­dung über die Quel­len­prü­fung hin zum Ver­fas­sen ei­nes Ar­ti­kels und der re­dak­tio­nel­len Über­prü­fung. Sie ler­nen, wie sie Nach­rich­ten von Mei­nungs­äuße­run­gen un­ter­schei­den kön­nen und wer­den für ei­nen kri­ti­schen Um­gang mit Me­dien (z.B. in Be­zug auf Fake News) sen­si­bi­li­siert. Au­ßer­dem ver­ste­hen sie, was sich hin­ter dem Vor­wurf der „Lü­gen­pres­se“ ver­birgt und wie sich die­ser von ei­ner be­rech­tig­ten Me­dien­kri­tik un­ter­schei­den lässt.

In­hal­te des Work­shops

• Wel­che ver­schie­de­nen me­dia­len Dar­stel­lungs­for­men gibt es – Was ist eine Mei­nung? Was ist eine Nach­richt?
• Was ver­birgt sich hinter dem Vor­wurf „Lü­gen­pres­se“?
• Wie funk­tio­nie­ren Nach­rich­ten? Be­geg­nun­gen mit der Pres­se
• Ggf. Ex­kur­sion zu ei­nem Me­dien­un­ter­neh­men

8. So­cial Bots

Social Bots sind Pro­gram­me, die mensch­li­ches Ver­hal­ten imi­tie­ren und auf Al­go­rith­men be­ru­hen. In dem Work­shop ler­nen die Jugend­li­chen ver­schie­de­ne For­men von Bots ken­nen und be­fas­sen sich mit den Fol­gen der Ver­wen­dung von Bots (zum Bei­spiel po­li­ti­scher Ein­fluss im Wahl­kampf oder Ge­ne­rie­rung von Auf­merk­sam­keit in der Wer­bung).

In­hal­te des Work­shops

• Wel­che ver­schie­de­nen For­men von Bots gibt es und mit wel­chen Mo­ti­ven wer­den sie ein­ge­setzt?
• Woran kann man sie er­ken­nen?
• Wie ist ihr (po­li­ti­scher) Ein­fluss und wie wer­den sie in der Wer­bung ge­nutzt?

9. Hey, ich schwöre, das stand so im Netz! – [Zusatz­mo­dul]

In ei­ner zu­neh­mend kom­ple­xer wer­den­den Um­welt ge­hen Ver­schwö­rungs­ideo­log*in­nen ei­nen schein­bar ein­fa­chen Weg: die Welt wird ein­ge­teilt in Gut und Böse, die da oben und wir hier un­ten. Nicht sel­ten grei­fen sie da­bei auf lang tra­dier­te an­ti­se­mi­ti­sche Feind­bil­der zu­rück und kon­stru­ieren „die Ju­den“ oder den Staat Is­rael als ge­heime „Strip­pen­zie­her“ und Sün­den­böcke.
In dem Modul „Hey, ich schwöre, das stand so im Netz“ sollen die Teil­neh­men­den be­fä­higt wer­den (an­ti­se­mi­ti­sche) Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gien als sol­che zu er­ken­nen und zu de­chiff­rie­ren. Um ein Ver­ständ­nis für die Funk­tions­wei­se zu be­kom­men, ent­wickeln die Ju­gend­li­chen ei­ge­ne Ver­schwö­rungs­theor­ien, die sie im An­schluss vor­stel­len und vor der Grup­pe ver­tei­di­gen sol­len.
In ei­nem an­schlie­ßen­den Re­fle­xions­ge­spräch wer­den Mus­ter von Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gien he­raus­ge­ar­bei­tet und Ge­gen­stra­te­gien be­spro­chen.

In­halte des Work­shops

• Welche bekann­ten Ver­schwö­rungs­theo­rien gibt es und wel­che Funk­tion ha­ben sie?
• Was haben Ver­schwö­rungs­theo­rien mit An­ti­se­mi­ti­smus zu tun?
• Ver­schwö­rungs­theo­rien-DIY: Die Jugend­li­chen bas­teln ei­ne ei­gen­e Ver­schwö­rungs­theo­rie und ver­tei­di­gen die­se vor der Grup­pe

10. „Schwar­zer Humor“ – [Zusatz­modul]

Die­ses Mo­dul be­fasst sich mit so­ge­nann­tem „schwar­zen Hu­mor“, der auf Stig­ma­ti­sie­run­gen be­ruht und durch die Ab­wer­tung von (Men­schen-)Grup­pen hu­mo­ris­tisch sein will. Hu­mor und Sa­ti­re wer­den als stra­te­gi­sches Ele­ment ge­nutzt, um men­schen­ver­ach­ten­de In­hal­te zu ver­brei­ten und die­se zu le­gi­ti­mie­ren. Die Jugend­li­chen sol­len für die Fol­gen ver­meint­li­cher Wit­ze auf Kos­ten an­de­rer sen­si­bi­li­siert wer­den.

In­halte des Work­shops

• Sollte jeder Witz bei Facebook oder Whatsapp weitergeleitet werden?
• Wie können Jugendliche sich verhalten, wenn in einer Gruppe solche Witze gemacht werden?
• Wo können rechtliche und moralische Grenzen liegen?